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Gift auf unseren Fingern: Nagellacke und Bio, geht das?

Nagellacke und Bio, geht das?

Es gibt ja so manches unnötige Laster von dem man nur schwer loskommt. Bei mir sind das auch einige Angewohnheiten und Vorlieben, aber insbesondere Nagellack in verschiedenen Farben. Mir ist natürlich bewusst, dass ich mir quasi seit Jahren übelste Chemie auf die Nägel schmiere und tagelang mit mir rumtrage, nur um sie dann mit ebenso fieser Chemie wieder da herunter zu kratzen um noch mal von vorne damit anzufangen. Also habe ich mich mal ein wenig umgeschaut, was ich so an besseren Alternativen für meine Fingernägel finde. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, es gibt sicherlich noch mehr und Ergänzungen sind jederzeit willkommen.

Was sagt Schrot und Korn?
Eine der ersten Seiten auf die ich stieß, war ein alter Artikel aus der Schrot und Korn (von 2002); als Themeneinstieg schon mal nicht übel. Im Laufe der ersten beiden Absätze schielte ich immer wieder auf meine Finger. Toluol (Methylbenzen; ähnlich Benzol)? Phtalate (Phthalsäureester; ein Weichmacher)? Formaldehyd (Methanal; eingestuft als “krebserregend für den Menschen” (IARC/WHO))? Schädigung von Leber, Nieren und Nervensystem? Nicht, dass es mich wirklich überrascht oder schockiert hätte, ich habe ja damit gerechnet, dass da jede Menge übles Zeug drin ist, aber das so direkt vor Augen geführt zu bekommen, ist schon noch einmal etwas ganz anderes als nur ein schwammiges “das ist sicherlich nicht gesund”. Als “bessere” Beispiele werden hier Sante Naturkosmetik und Provida erwähnt.

Ich habe noch geschaut, ob es dort mittlerweile nicht auch neuere Artikel dazu gibt, aber die verrieten auch nicht mehr als den Hinweis, dass es (noch) nicht möglich ist, einen Nagellack zu kreieren, der ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen besteht, dass es aber zumindest Alternativen gibt, die ohne Substanzen wie Formaldehyd, Toluol und Kolophonium (ein Harz, besteht aus ca. 20% Terpentinöl; Gefahrenstoff) auskommen und stattdessen Rohstoffe mit weniger Allergiepotential sowie reine Farbpigmente einsetzen.

Was sagt ÖKO-TEST?
Auch bei Ökotest hatte man sich 2007 der bunten Nageldeko und deren Schadstoffen gewidmet. Ebenfalls mit einigen unschönen Ergebnissen. Diethylhexylphthalat (DEHP; Weichmacher; inzwischen verboten; seit 02/2011 als Teratogen eingestuft) oder Dibutylphthalat (DBP; Weichmacher; “frucht- und entwicklungsschädigend” (WHO); inzwischen verboten) fand sich in den Lacken von den Marken Revlon, Yves Rocher und sogar The Body Shop. Ausgerechnet Sante Naturkosmetik hat das Ergebnis hier noch übertrumpft; da war nämlich gleich beides drin. Schade, gerade Sante schien doch nach dem Schrot-und-Korn-Artikel ein Hoffnungskandidat zu sein. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass die Damen und Herren von Sante ihr Verbesserungsversprechen eingehalten haben, der Test liegt ja nun schon ein paar Jahre zurück. Dibutylphthalat (DBP), Diethylhexylphthalat (DEHP) sowie auch Benzol sind eigentlich in Kosmetika gar nicht mehr erlaubt. Ob sich da nach Erscheinen des Artikels (2007) etwas geändert hat, konnte ich noch nicht rausfinden. (Die Hersteller sind gerne aufgerufen mir umfangreiches Material zukommen zu lassen, ich stelle dies gerne auch klar, sollte es sich zum Besseren gewendet haben.)

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Was darf auf unsere Finger? Welche Alternativen gibt es?

Was mich an den Testergebnissen schon überrascht hat, war, dass sich unter den besten fünf Produkten unter anderem die besonders günstigen Marken Essence (Cosnova), Rival de Loop (Rossmann) und P2 (dm) befanden, obwohl ich dort eigentlich eher hochpreisige Markenprodukte oder eigentlich auch Sante erwartet hätte.

Was ich in dem ÖKO-TEST-Artikel außerdem gelernt habe: Metallfeilen sind gar nicht gut, da sie durch die Reibungshitze die Keratinzellen verbrennen. Also weg mit dem Metalldings und her mit der Sandpapierfeile! Leider stand dort aber nichts über Glas- oder Keramikfeilen. Wer auf Nagellacke verzichten möchte, kann zur Polierfeile greifen, damit die von “alleine” schön glänzen (wenn auch nicht bunt). Dass man nur in eine Richtung feilen soll, war mir aber zumindest schon bewusst! icon smile Gift auf unseren Fingern: Nagellacke und Bio, geht das?

Anscheinend haben ÖKO-TEST und Schrot und Korn nicht ganz die gleichen Inhaltsstoffe getestet oder evtl. auch einfach auf einem anderen Weg. Die beiden Artikel sind nun auch schon ein wenig älter, aber als Einstieg und Orientierung sicherlich ganz gut geeignet. Abschließend: Echte “Bio-Nagellacke” sind wohl etwas wovon wir noch träumen müssen. Also entweder ganz sein lassen oder zumindest das geringste Übel wählen.

Nachfolgend einfach noch ein paar meiner Meinung nach erwähnenswerte Nagellack-Marken zu dem Thema (in loser Reihenfolge):

Priti NYC
Laut Herstellerangaben vegane, ungiftige Bio-Nagellacke, die kein Methylbenzol (siehe Toluol weiter oben), Dibuthylphthalate (siehe oben) und Formaldehyd (siehe oben) enthalten. Erhältlich in unglaublich vielen, tollen Farben. In den oben beschriebenen Tests war von Priti NYC kein Testlack dabei. Ein Lackfläschen kostet um die 15 Euro.

BUTTER London
Die “Three Free” Lacke sind ebenfalls in regelmäßig wechselnden und tollen Farben zu bekommen. Laut Hersteller steht “Three Free” für kein Formaldehyd, kein Toluol und kein Dibutylphthalat. Ich habe öfters gelesen, dass diese Lacke tierversuchsfrei und vegan seien. Auf der Herstellerseite fand ich aber nichts dazu. Tests zu BUTTER London habe ich noch nicht gefunden. Ein Lackfläschen kostet hier ebenfalls um die 15 Euro.

Scotch Naturals
Die wasserbasierten “Scotch Naturals” Lacke finde ich persönlich besonders interessant. Soweit ich das herausgefunden habe, sind sie schon länger als Hersteller für giftfreie, ungefährliche und ökologische Kinder-Fingernagel-Lacke unter dem Namen Hopscotch Kids bekannt und haben vor einiger Zeit ihr Programm einfach auf Lacke für “erwachsene Mädchen” erweitert.
Die Scotch Naturals gibt es in 26 echt hübschen Farben. Die Hersteller-Website sagt, dass die Lacke nicht nur “Three Free” sind, sondern auch vegan, tierversuchsfrei, glutenfrei sowie ohne Duftstoffe, Toxine (“Gifte”) und Parabene (Ester) auskommen. Außerdem sollen sie hypoallergen und biologisch abbaubar sein. Die Firma bietet auch speziellen sojabasierten Nagellackentferner an. Von mir ein Sternchen – das klingt alles super! Auch über diesen Hersteller habe ich leider keinen Bericht entdeckt, hier kostet das Fläschchen Nagellack ca. 15 Euro.

Provida
Hier gibt es ebenfalls “Bio-Nagellacke”, mit knapp 11 bis 12 Euro schon ein Stückchen günstiger als bei den meisten anderen Herstellern, aber leider anscheinend nur farblos verfügbar, wenn ich das richtig sehe. Außerdem enthalten die Lacke Schellack (Ausscheidungen der Lackschildlaus), das ist also auch nichts für Veganer. Überzeugt mich auf den ersten Blick noch nicht ganz.

Sante Naturkosmetik
Ich gehe stark davon aus, dass die Punkte, die beim ÖKO-TEST-Bericht (2007) zur Abwertung geführt haben, mittlerweile beseitigt oder verbessert sind, dass ist ja doch eine ganze Weile und Gesetzesänderungen her. Leider ist die Farbauswahl eher mau. 20 verschiedene Farben, aber nur Klarlack, weiß und diverse Beige-Pink-Rot-Farbtöne. Dafür sind die Lacke laut Angabe auf der Website vegan und glutenfrei. Ein Fläschchen Nagellack kostet hier ca. 10 Euro.

Ich hoffe, dass ich demnächst Gelegenheit bekomme ein paar der Lacke auszuprobieren. Ich werde euch da natürlich auf dem Laufenden halten.

1 Kommentar

  1. Pingback: Chemikalien für ein buntes Leben! | Andi Licious' Blogosphäre

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