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Kleine Sünden im Badezimmer – Von Wattestäbchen bis Tampons

Kosmetikstäbchen/Wattestäbchen geht das auch ökologischer?

Was hinterlässt Frau (ja, Männer auch, aber nicht ganz so viel wie die Damen) nicht alles für einen Müll bei der Körperpflege? Hier ein Tüchlein, da ein Tupferchen, noch ein bisschen Watte, Tampons, Pflegetücher, Ohrenstäbchen und was nicht alles. Da steht man so im Bad und fragt sich: Muss das alles sein? Und vor allem, geht das nicht auch mit weniger Müll, weniger Schadstoffen, weniger verbrauchten Ressourcen? Ich habe mich einfach einmal bei uns umgesehen, was ich so auf Anhieb im Badezimmer finden konnte.

Wattepads und Abschminktücher
So. Wattepads sind in der Regel aus Baumwolle. Leider kommt (wie die meisten von uns wohl wissen) beim Anbau und der Aufbereitung von Baumwolle ziemlich viel Chemie zum Einsatz, ganz zu schweigen von den Arbeitsbedingungen der Baumwollbauern bzw. Baumwollpflückern. Also schon einmal gar nicht schön. Es gibt mittlerweile „Bio-Wattepads“ von den meisten Drogerie-Eigenmarken und auch von vielen anderen Firmen, bei denen das Material zumindest aus biologischem Anbau stammt – was aber leider noch nicht „fair“ heißen muss. Ich habe allerdings auch eine Wattepad-Variante gefunden, die zumindest laut Verpackungsangabe 100% Bio und 100% fair ist.

Das ist ja schon einmal bedeutend besser! Noch besser fände ich allerdings ein Produkt ohne Baumwolle und vielleicht ohne so viel Müll (Abfall) wenn man fertig ist. Da habe ich bisher nur solche Kosmetik-Schwämmchen und Mikrofaser-Tücher gefunden. Beides von Hand waschbar oder die Tücher auch in der Waschmaschine und somit vielfach wiederverwendbar. Das klingt doch schon einmal nach einem guten Ansatz. Werde ich im Auge behalten und bei Gelegenheit ausprobieren.

Wattestäbchen
Ebelin Wattestäbchen aus Bio-Baumwolle und mit FSC-Papierstab sowie Natur-Kosmetikschwämme.Hier steckt beim Standardmodell schon wieder die ungeliebte Baumwolle auf einem Kunststoff-Stäbchen, was jetzt ja auch nicht so der Knaller ist. Aber auch für dieses Produkt gibt es wie bei den Wattepads die Alternativ-Version mit Bio-Watte sogar von verschiedenen Herstellern und zum Teil mit FSC-Papierstäbchen (Forest Stewardship Council) und Bio-Baumwolle (leider ohne auffindbare Info zu Fairness oder ähnliche Hinweise).

Andererseits sind Wattestäbchen zumindest zur Ohrreinigung ja ohnehin umstritten. Doch wer möchte schon alle paar Wochen zum HNO-Arzt laufen. Man sollte allerdings beachten, nicht den Schmutz ins Ohr zu drücken, sondern nach außen zu transportieren.

Taschentücher & Servietten
Bei ÖKO-TEST gibt es einen ganz spannenden Artikel von 2008 zum Thema Papiertaschentücher. Dort wird einerseits bemängelt, dass bei den meisten Produkten zu viel Frischholz verwendet wurde, andererseits wurden in einigen Produkten auch „halogenorganische Verbindungen“ gefunden, die zum Teil als allergieauslösend sowie krebserzeugend gelten und sich außerdem in der Umwelt anreichern (akkumulieren; siehe Ökotoxikologie). Halten wir also fest: Jemand fällt Bäume, damit wir da reinschnäuzen können, und wenn wir Pech haben, reiben wir noch mit fragwürdigen Chemikalien an unseren Näschen herum, die eigentlich relativ empfindliche Schleimhäute im Inneren besitzen.

Also wenn es schon Papier sein muss, dann sollten es doch zumindest Recycling-Papiertücher sein, oder? Außerdem könnte man ja (vorausgesetzt man ist gerade nicht verschnupft oder von Allergien geplagt) noch mal über das gute, alte Stofftaschentuch nachdenken, wobei das nach ein wenig Googlen ja eine Glaubensfrage zu sein scheint. Aber um ein-, zweimal am Tag reinzuschnäuzen oder sich im Kino einmal die Tränchen wegzuwischen, muss es ja nicht immer das kratzige Papiertuch sein. Recycling-Papier hört sich auch nur kratzig an, muss es aber keinesfalls sein.

Um auf das Stofftaschentuch zurück zu kommen: Viele Leute finden dieses wohl sehr unhygienisch und es fällt auch oft das Argument, dass das Waschen so viel Energie erfordern würde. Aber wenn ich mal im Kopf überschlage, wie viele Stofftaschentücher ich in einer durchschnittlichen Woche so brauchen würde, und wie viel Platz die in einer Maschine mit Wäsche einnehmen (die ja ohnehin gewaschen werden muss): Ob da die paar Läppchen jetzt drin sind oder nicht, das klingt für mich immer ein wenig nach Wischi-Waschi-Rechnung. Denn auch die Recycling-Tücher werden irgendwo „recycelt“, neu produziert, verpackt, zum Supermarkt gefahren, dann muss ich noch zum Supermarkt und auch wieder nach Hause und die Plastikverpackungen müssen ja auch noch mal irgendwie verwertet werden. Ob DAS wirklich weniger Energieaufwand ist, als einmal so ein Tüchlein mitzuwaschen? Aber da Recycling-Tücher ja auch noch im grünen Bereich sind, kann das jeder einfach so machen, wie er will.

Wenn man einmal jemanden zum Essen einlädt, ganz ehrlich, haben Stoffservietten auch um Längen mehr Stil, als diese Papierfetzen, mögen diese noch so hübsch mit Blumen, LSD-Motiven oder anderen Geschmacklosigkeiten bedruckt sein. Darüber hinaus sollte man wohl auch abwägen, ob es sich um das tägliche Mal-die-Nase-Putzen handelt oder eben jenes Vorgehen vor allem im kommenden Winter oder ob man aktuell eine Erkältung hat, bei der man nach Möglichkeit die verunreinigten „Gegenstände“ sowieso möglichst ohne Umwege aus seinem Aktionsbereich entfernen sollte. Anzuzweifeln bleibt in jedem Fall die Verpackung der Einwegtaschentücher. Geht das nicht auch aus Maisstärke und Co.?

Tampons
Kommen wir zu einem etwas delikateren Thema, dieses Mal wirklich nur für das schönere Geschlecht (also, die Frauen): Tampons. Wer von den Dingern schon einmal den Beipackzettel gelesen hat, kennt den Warnhinweis mit den TSS-Infektionen (Toxic Shock Syndrom; Toxisches Schocksyndrom). Aber das ist ja nicht alles! Auch hier gibt es, wie bei den anderen schon genannten Hygieneprodukten, die Probleme eines wachsenden Müllbergs, der Herkunft der Rohstoffe und ggf. den möglichen Substanzrückständen in den kleinen Dingern. In Anbetracht der Tatsache, dass Frau ein Tampon in der Regel mehrere Stunden am Stück trägt, können doch mögliche Inhaltsstoffe direkt an Schleimhäute abgegeben werden. Darüber hinaus kommt es unter Umständen bei Verwendung von Tampons auch häufiger zu stärkeren Regelschmerzen. Wer mehr über Tampons wissen möchte: Auch hier gibt es einen interessanten Testbericht von ÖKO-Test aus dem Jahre 2009.

DivaCup Menstruationstasse aus SilikonEine mögliche Alternative sind solche Menstruationstassen. Die bekanntesten Menstruationstassen sind wohl Mooncup und Diva Cup. Leider braucht man eine Weile, bis man sich an die Handhabung gewöhnt hat, aber wenn man es einmal raus hat, möchte man das kleine Näpfchen wohl meist nicht mehr missen. Sie sind bis zu 10 Jahre nutzbar und hygienisch, denn sie sind abwaschbar, nach Belieben auch in der Spülmaschine. Darüber hinaus verursachen sie abgesehen von der Verpackung keinen neuen Müll und weniger Schmerzen.

Es gibt aber natürlich noch mehr Möglichkeiten, wie zum Beispiel kleine Naturschwämmchen als Tamponersatz oder aber etwas wie die Lunapads und Lunapanties.

Ich könnte am Abschluss dieses Artikels noch ein wenig über Klopapier referieren, aber da das im Grunde ja auch nur Taschentücher auf der Rolle sind und wahrscheinlich niemand von euch sich den Po mit einem Stoffstück oder Meeresschwamm-Irgendwas (falls es das überhaupt gibt) abputzen möchte, belassen wir es bei: Denkt darüber einmal nach, wie empfindlich Schleimhäute & Co. sind, wenn es darum geht, sich das nächste Mal mit parfümiertem, rosafarbenen, 4-lagigen Klopapier den Allerwertesten zu säubern.

3 Kommentare

  1. Sehr interessant! Ihr bringt mich in letzter Zeit immer wieder zum Nachdenken. Das mit den Taschentüchern ist so eine Sache … Stofftaschentücher würde ich nicht haben wollen. Aber ich hab jetzt beschlossen, dass es bei mir nur noch Recycling geben wird – und zwar in Taschentücher-Boxen statt in einzelnen Plastikpäckchen, um noch mal Plastikmüll zu sparen.
    Speziell die hier:
    http://www.dm-drogeriemarkt.de/cms/servlet/segment/de_homepage/soft_und_sicher_home/produkte/10836/soft_und_sicher_taschentuecher_box_recycling.html
    Die haben nämlich auch den Blauen Engel. Was ich nämlich auch sehr interessant fand in dem Oekotest-Artikel: Dass Recycling-Papier auch wieder nicht gleich Recycling-Papier ist, sondern dass es bis zu 6 Recycling-Zyklen gibt und man für Papiertaschentücher Papier nehmen sollte, dass schon mehrfach recyclet wurde (weil bei Taschentüchern ja auch die Recyclingkette im Abfallkorb endet). Und dieses zusätzliche Weiterdenken wird auch vom Blauen Engel verlangt und zertifiziert.

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  2. menschenhandel heute

    25/09/2012 @ 17:47

    Ich war auf der Suche nach einem Artikel, der die Herkunft der Baumwolle in Wattepads nachzeichnet. Das ist der einzige Artikel, der überhaupt die Frage gestellt hat und zwar nicht nur mit Blick auf das „bio“ sondern auch auf das „fair“. Denn das Letzte was „bio“ automatisch bedeutet ist „fair“.
    Gerade hat in Uzbekistan die Baumwollernte begonnen, wo auch Kinder beteiligt sind, die von Staat dazu gezwungen werden. Dass Baumwollernte ein Job ist, den früher ausschließlich Sklavinnen und Sklaven verrichtet haben, macht das alle noch unangenehmer.
    Es ist schön, dass endlich auch dieser Bereich (Kosmetik) mit der Frage nach Fairness (gegenüber Menschen) konfrontiert wird

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