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Palmöl – Was es ist, woher es kommt, und warum wir darüber sprechen sollten

nebliger Regenwald

„Palmöl ist der Tod des Regenwaldes.“ Diesen Satz hört man häufig von Umweltschützern und Palmöl-Gegnern. Ja, für den Anbau von Ölpalmen wird Regenwald gerodet. Ja, dadurch verlieren Orang-Utans und zahlreiche andere Tierarten ihren Lebensraum. Und ja, der Massenhafte Konsum von Palmöl muss ein Ende haben. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille.

Woher kommt das Palmöl?

Palmöl oder auch Palmfett ist ein Pflanzenöl, das aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme (Elaeis guineensis) gewonnen wird. Ursprünglich im westlichen Afrika angesiedelt, wächst die Ölpalme inzwischen auch im tropischen Amerika und in Südostasien. Tatsächlich kommt heute nur noch ein kleiner Teil des weltweiten Palmöls aus Afrika. Hauptsächlich wird die Palme in Malaysia und vor allem Indonesien angebaut.

Die Ölpalme wird bis zu 30 Meter hoch und kann 3000 bis 6000 Früchte tragen. Neben dem Palmöl aus dem Fruchtfleisch wird auch noch das Palmkernöl aus den Kernen der Frucht gewonnen. Um das Öl zu gewinnen, werden die Früchte sterilisiert und gepresst. Dabei entsteht das rohe Palmöl, CPO (Crude Palm Oil). Sowohl Früchte als auch das gepresste Öl hat eine orangegelbe bis braunrote Färbung, die auf den hohen Carotingehalt zurückzuführen ist, wie es zum Beispiel auch bei Karotten, Süßkartoffeln oder Mangos der Fall ist. Bei der Raffination des Öl wird der intensive Farbton entfernt und es bleibt nur noch eine hellgelbe Färbung.

Welche Bedeutung hat das Palmöl?

Mit rund 30% Marktanteil ist Palmöl heute das meist angebaute Pflanzenöl der Welt. Kein Wunder also, dass heutzutage jedes zweite Produkt im Supermarkt Palmöl enthält. Brot, Müsli, Schokoriegel, Suppen, Cremes, Shampoos. Das ist nur ein Bruchteil der Produkte, von denen Palmöl ein Bestandteil ist. 2017/2018 wurden weltweit knapp 70 Millionen Tonnen Palmöl produziert, 85,4% davon in Indonesien und Malaysia, Tendenz weiter steigend.

Dass Palmöl so beliebt ist, kommt nicht von ungefähr. Es ist hitzebeständig, haltbar und geruchsneutral. Und, bei Raumtemperatur ist es fest, nicht flüssig wie zum Beispiel Rapsöl. Ein Zustand, der bei den meisten anderen Pflanzenölen nur durch das Verfahren der Fetthärtung erreicht werden kann.

Warum ist Palmöl „der Tod des Regenwaldes“?

Wie eingangs schon erwähnt, für den Anbau von Ölpalmen wird Regenwald gerodet, hauptsächlich in Indonesien, auf Borneo um genau zu sein. So hat sich die Anbaufläche für Palmöl in Indonesien seit 1990 mehr als verzehnfacht. Mehr als die Hälfte des Regenwaldes auf Borneo existiert nicht mehr. Mit dramatischen Folgen, wie Ranga Yogeshwar und sein Team von Quarks in dieser Multimedia-Reportage zeigen. Die Urvölker in den Regenwäldern Indonesien verlieren ihre Heimat. Der Lebensraum zahlreicher Tierarten wird zerstört. Das fängt an bei einer kleinen Ameise und endet bei den Orang-Utans, die heute vom Aussterben bedroht sind.

junger Orang-Utan, der sich von einem Baum zum anderen schwingt

Und es gibt noch ein weiteres Problem. Der Torfmoorboden, auf dem sich der Regenwald befindet, ist ein riesiger CO2-Bunker. Bei der Rodung wird dieses Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Gerade die Brandrodung stellt ein massives Problem dar. Die Folgen sind Waldbrände, bei denen innerhalb weniger Wochen so viel Treibhausgase freigesetzt werden, wie Deutschland in einem ganzen Jahr nicht produziert.

Warum wird denn kein anderes Öl genutzt?

Und da sehen wir die andere Seite der Medaille. Auf die Idee, einfach andere Pflanzen anzubauen, aus denen Öl gewonnen werden kann, sind auch schon andere gekommen. Doch das Problem ist der Ertrag. Ölpalmen sind nämlich drei- bis viermal so ertragreich wie Raps, Soja oder Sonnenblumen. Heißt also, dass man für den gleichen Ertrag nur ein Viertel der Fläche braucht, wenn man Palmöl produziert. Ganz so einfach ist es also nicht, komplett auf andere Pflanzenöle umzusteigen.

Was ist also die Lösung?

Wie so oft heißt die Lösung also nachhaltiger Anbau von Palmöl. Dazu hat der WWF 2005 den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ins Leben gerufen, um als zentrale Organisation nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern. Zu den Mitgliedern zählen neben zahlreichen NGOs auch viele Unternehmen, die an der Wertschöpfungskette des Palmöls beteiligt sind. Doch die Mitglieder des RSPO erbringen viele der versprochenen Leistungen nicht und so werden immer wieder Greenwashing-Vorwürfe laut, da einige Händler sich mit dem Siegel schmücken, sich aber nicht an die vereinbarten Anforderungen halten. Sanktionen gibt es kaum.

Was können wir tun?

Auch wenn das Ganze wie ein Kampf Davids gegen Goliath aussieht: Auch wir können etwas tun, indem wir unser Verhalten ändern. Denn letztlich ist unser Kassenbon immer ein Stimmzettel. So können wir versuchen, bewusster einzukaufen und unseren Palmöl-Konsum zu reduzieren. Und wenn wir doch Palmölprodukte kaufen, sollten wir darauf achten, ausschließlich fair gehandeltes und bio-zertifiziertes Palmöl zu kaufen. Das mag wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken, aber wenn jeder nur ein bisschen mehr darauf achtet, was und wie er einkauft, dann können wir viel bewirken. Und vielleicht tragen wir so ja doch etwas dazu bei, die Orang-Utans auf Borneo zu retten.

1 Kommentar

  1. Felicitas Förster

    23/07/2019 @ 18:28

    ich habe mich zum 1.mal mit diesem Thema beschäftigt, bin aber verwundert wie viele Lebensmittel Palmöl enthalten. Dagegen müssen wir als Verbraucher etwas unternehmen. Leute schaut euch genau um in welchen Lebensmitteln Palmöl enthalten sind.
    Die Schokolade schmeckt nicht mehr die Brotsorten sind teuer und schmecken auch nicht mehr man wird total mundtot gemacht. An wen kann man sich denn wenden dass dieser Palmölwahnsinn aufhört?
    Abgesehen davon nimmt man den Tieren ihren Lebensraum.

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